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Texte und Predigten

"Ent–Täuschen Sie sich"

Predigt vom Palmsonntag 2018, Pfr. Andreas Weber, reformierte Kirche Eglisau

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Bibeltext: Matthäus 21,1-11
Und als sie sich Jerusalem näherten und nach Betfage an den Ölberg kamen, da sandte Jesus zwei Jünger aus 2 und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! 3 Und wenn jemand euch Fragen stellt, so sagt: Der Herr braucht sie, er wird sie aber gleich zurückschicken. 4 Das ist geschehen, damit in Erfüllung gehe, was durch den Propheten gesagt ist: 5 Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanft, und auf einem Esel reitend, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers. 6 Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen befohlen hatte, 7 brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. 8 Eine riesige Menschenmenge hatte auf dem Weg ihre Kleider ausgebreitet, einige schnitten Zweige von den Bäumen und breiteten sie auf dem Weg aus. 9 Und die Scharen, die ihm vorausgingen und die ihm folgten, schrien: Hosanna dem Sohn Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosanna in der Höhe! 10 Und als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man sagte: Wer ist das? 11 Die Leute aber sagten: Das ist der Prophet Jesus aus Nazaret in Galiläa.

Liebe Gemeinde
Die Geschichte zu Palmsonntag erzählt von Täuschung und Ent-Täuschung.
Jerusalem erwartet den verheissenen Messias. Einmal wird er kommen, der Friedenskönig, der auf einem Esel reitet statt hoch zu Ross. So steht es in den Prophetenbüchern, etwa bei Sacharia, so wie vom Evangelisten Matthäus in seinem Bericht zitiert. Und jetzt, beim Einzug Jesu nach Jerusalem ist dieser Friedenskönig da. Endlich Befreiung. Weg mit den herrschenden Römern. Wieder ein eigenes Reich, wie in den Zeiten von König David. Der Tag ist gekommen, den dazu passenden Jubelruf in die Gassen zu schreien: Hosanna dem Sohn Davids. Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn. Das Volk ist begeistert: Das ist der Mann, der das Volk gegen die römische Besatzung einen kann. Der hat das Charisma und das Zeug. Und wie bescheiden er ist, wie sanft und demütig. Er reitet auf einem Esel. Das ist einer von uns, ein bodenständiger, ein einfacher. Das muss der Richtige sein. Das Volk winkt mit Tüchern und Palmzweigen.

Jesus «gehypt»
Die Szene weckt in mir unweigerlich Bilder von Pokalfeiern oder Wahlkampfveranstaltungen (eher die amerikanische Version), haufenweise Menschen mit Fähnchen oder Schildern und vom Stadiondach oder von der Saaldecke regnet es Konfetti. Beste Stimmungsmache, alles jubelt und johlt. Die ganze Stadt in Aufregung. Der Evangelist Mt bringt den Anlass mit spitzer Feder auf den Punkt, indem er ans Ende seines Berichts die Frage setzt: Wer ist das? Super Stimmung, lautes Trarii-Traraa, und erst am Ende die Frage: Worum geht es eigentlich?
Mit einem Modewort ausgedrückt: Die Erzählung zu Palmsonntag berichtet von einem Hype. Jesus wird gehypt. Ein schnell verpuffter Begeisterungsschwall, Hauptsache feiern, blind dafür, worum es geht.

Ein paar Tage später wird Jesus die Stadt wieder verlassen. Er jubelt nicht über Jerusalem, er weint über die Stadt, weil Jerusalem nicht erkennt, was zum Frieden führt. Er rühmt den Tempel nicht, sondern er wird ihn besuchen und feststellen, dass er kein Haus des Gebets mehr ist, sondern ein Ort der Geschäftemacherei. So wird er die Stadt als Verurteilter verlassen, mit einem Kreuz auf den Schultern. Das Volk hat bei seinem Einzug seine eigene Täuschung gefeiert. Die eigene Projektion, ein Retter, wie sie sich ihn vorstellen wollten. Mit dem Blick auf den Gekreuzigten erleben einige wenige dann die Ent-Täuschung, und sie erkennen Wahrheit, wie Gottes Macht so anders ist, als Menschen ihren «Gott mit uns» erwarten.

Macht
Mächtig sind für uns die Menschen an der Spitze von Regierungen, Konzernen und Gerichten. Mächtig gelten die Menschen, die über Vieles und Viele bestimmen können, die mehr gelten, als andere. Man gilt etwas, weil andere gehorchen müssen. Das war auch in der Zeit von Jesus so. Der Inbegriff von Macht war der Kaiser. Seine Meinung war Befehl, ihr wurde Geltung verschafft. Das jubelnde Volk erwartete von Jesus dieselbe Art von Macht, einfach für ihre Zwecke.
Gottes Macht zeigt sich an Jesus ganz anders. Die Kraft findet ihre Vollendung am Ort der Schwachheit so hat es Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth formuliert (2 Kor 12,9).
Wer ist das? fragt es aus der Menge der Drauflosjubelnden. Es ist ein in dieser Welt Ohn-mächtiger, einer der niemanden braucht, über den er sich durchsetzen muss. Seine Geltung hat er von Gott allein. Und dem vertraut er so sehr, dass er diesen Hype über sich ergehen lässt. Leid und Tod nimmt er in Kauf. Auch wenn ihm die Mächtigen das Leben nehmen werden, er verlässt sich auf Gottes Macht, über den Tod hinaus. Gott vollendet, wo der Mensch nichts mehr kann.

Ent–Täuschung
Das ist eine grosse Ent-Täuschung über Gott. Wir kennen sie selber, vielfach geäussert in der Frage: Gott, wie kannst du das zulassen? Dahinter unsere Täuschung über Gott, dass Gott nur dort sein soll, wo kein Leid ist und keine Not. Eine Flucht in eine heile Welt, eine gehypte Welt, eine Welt die nicht der Wahrheit entspricht. Wo Gott lediglich den eigenen Vorstellungen dient und für die eigenen Wünsche zuständig ist; so, wie wir die heile Welt gern hätten und zu unserem Nutzen. Ein verblendetes Feiern, ein Drauflosleben ohne die Frage, worum es eigentlich geht.
Im Leben geht es um das Verbundensein mit Gott. Unser persönliches Verbundensein ja, aber bei weitem nicht beschränkt darauf. Verstehen, dass alles Leben mit Gott verbunden ist, dass alles aus Gott belebt ist und alles zu Gott hin stirbt. In Jesus zeigt sich dieser «Gott mit uns», der nicht meiner heile-Welt-Vorstellung entspricht, sondern mit allem Leid, über Sterben und Vergehen ebenso, Gott ist. In Jesus begegnet einer, der weiss, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt ist. Der aber durch Triumphzug und Kreuzweg nicht davon ablässt, dass Gottes Reich ganz und gar für diese Welt ist.
Täuschen wir uns nicht.
Die Ent-Täuschung fordert allerdings unseren ganzen Glauben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit der ganzen Kraft (Dtn 6,5). Das Verbunden sein mit Gott lebt an uns. An unseren Leben, auch an unseren Leben, ist Gott mit der Welt verbunden. Dass Gott uns Geltung verschafft, – das, was wir Menschenwürde nennen – , wo das geglaubt und gelebt ist, bricht Reich Gottes herein. Reich Gottes bewährt sich nicht in der geträumten heilen Welt von ewiger Jugend, Gesundheit und Spass; nicht in der gehypten Welt, sondern in der wahren Welt, wo Leid und Tod dazugehört.

Was erwarten Sie von Gott? Wie erwarten Sie, wie Gott ihr Leben braucht?

An uns Menschen verbindet und verwickelt sich Gottes Reich heilsam mit all dem, was in dieser Welt seit jeher an Schwerem auf uns lastet und zugemutet ist. Gott lässt diese Verwicklung zu und ist in ihr verbunden; leiden und freuen, zweifeln und glauben, sich fürchten und hoffen. Hinter allem steht Gottes Verbundensein, seine Liebe zur Welt.
Amen.

 
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Am 24.06.2018 um 09:30 Uhr
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Ameisli "Tierisch gut - Schildkröte"
Am 30.06.2018 um 14:00 Uhr
Pausenplatz Schulhaus Städtli, Ramona Gisin, Tel. 079 228 41 35 Debora Lamprecht, Tel. 079 594 10 95
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